Logo Sargos Verlag GbR Rezensionen

 
  >Bücher
>Postkarten
>Poster
>CD
>Rezensionen

>Veranstaltungen
>Kontakt
>Wir über uns
>unsere Autoren
>Links
>Sonderangebote
>Impressum
Vergeben - eine spirituelle Übung ?

Am Samstag und Sonntag, 6. und 7. März, findet in Glarus unter der Leitung von Raffael Boriés ein Seminar zum Thema "Verzeihen fällt so schwer - Wege und Perspektiven im Prozess der vergebung" statt.

so.-Raffael Boriés schreibt dazu folgendes: "Viele Menschen tragen Erfahrungen von Verletzungen, von seelischen Schmerzen und von Leid mit sich herum. Diese sitzen z. T. tief und haben tiefe Spuren in ihnen hinterlassen. Dabei halten sich zugefügte Verletzungen manchmal hartnäckig in der Erinnerung und bestimmen oft zwanghaft unser Verhalten. Trotz gutem Willen können sie nicht weggesteckt werden. In uns sind Erlebnisse und unsägliche Erfahrungen gespeichert, die zu Prägungen für unser späteres Fühlen, Erleben und Denken werden und unsere Hoffnungen und vor allem unsere Ängste mitbestimmen. Wenn an solche verletzenden Ur-Erfahrungen gerührt wird, dann werden auch nach Jahren oder sogar nach Jahrzehnten wieder Gefühle von Schmerz, Trauer und Wut spürbar. Es scheint, dass solche Wunden in uns nie heilen können."

Raffael Boriés arbeitet seit über 20 Jahren auf dem Gebiet der Lebensprozessbegleitung, d. h. er sieht es als seine Aufgabe an, Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine Begleitung, eine Stütze, ein Hinweis zu sein.

Kann der Mensch überhaupt verzeihen ?

Viele Menschen können bestimmte Kränkungen, tiefe verltzungen nicht vergessen. Es scheint, dass in einer schwierigen Zeit wie dieser Menschen unversöhnlich sind. Kann der Mensch überhaupt verzeihen? Dazu Raffael Boriés: "Menschen werden häufig in einen Wandlungsprozess hieneingenommen. Dieser kommt oft dem Sterben sehr nahe, beinhaltet aber auch Trauerarbeit und die Aufarbeitung von Trennungen von geliebten Menschen sowie die Aufarbeitung von Konflikten. In solchen Situationen haben wir häufig das Bedürfnis zu vergeben und vor allem aber auch, Vergebung zu erhalten. In mir entstand das Bedürfnis, dieses Thema näher zu erforschen, um herauszufinden, was uns an Last und Schuld bindet. Ich begann zu verstehen, was uns festhält und wie wir uns von alten Verletzungen lösen können, damit wir Erleichterung auch in unserem Lebensalltag finden.

In meinem Seminaren zu diesem Thema erfuhr ich immer wieder, welch wunderbare erlösende, heilende, ja heilige Momente es gibt, wenn wir etwas vom Wesen des Vergebens, des Verzeihens erfahren und es hingebungsvoll, ganz einfach im Herzen und aus vollem Herzen praktizieren."

Verzeihen als Schlüssel zu Frieden und Harmonie

Aber braucht es dazu Vergebungsrituale? Raffael Boriés dazu: "Wenn der Mensch etwas von seiner tiefer sitzenden Ich-Natur erfährt, erkennt er, dass ein Teil seines Wesens bequem und z. T. auch unfähig ist, Vergebung umzusetzen. Es ist sehr hilfreich, wenn wir unsere guten Absichten in Struktur und Dynamik hingeben.

Ich möchte aber nicht nur allein durch eine technische Handhabung zeigen, dass Verzeihen ein Schlüssel zu Frieden und Harmonie ist. Dies soll vor allem durch Verinnerlichung und Bekräftigung geschehen. Verzeihen ist meiner meinung nach das grosse Thema der Menschen in unserer heutigen Zeit. Wir wollen heil werden, müssen aber erst, ja dürfen über die Brücke des inneren Ausgleichs gehen, und die bedeutet nun einmal zunächst vergeben: sich selbst und anderen. Vergebung ist keine psychologisierende Arbeit, sondern betrifft im engsten Sinn den inneren Menschen. Es ist eine religiöse Auseinandersetzung mit unserem eigenen Dasein. Durch Vergeben lindern und mindern wir persönlichkeitsbedingte Verletzungen. Wir lösen Strukturen in unserem Persönlichkeitsfeld auf und können uns befreien und den Weg finden zu unserem eigentlichen inneren Wesen. Verzeihen ist deswegen ein Schlüssel zu uns selbst und Verzeihen ist der Schlüssel zur wahren Liebe.

Im verzeihen liegt auch der Schlüssel für die Heilung unserer Beziehungen. Verzeihen ist eigentlich so einfach, wenn wir die Kraft in unserem Herzen verstanden haben."


Südostschweiz (Glarner Nachrichten), 25.2.1999
zum Seitenanfang