Logo Sargos Verlag GbR Rezensionen

 
  >Bücher
>Postkarten
>Poster
>CD
>Rezensionen

>Veranstaltungen
>Kontakt
>Wir über uns
>unsere Autoren
>Links
>Sonderangebote
>Impressum
Vergebung ist die größte Disziplin
Hospiz-Gruppe Salem als Gastgeber für Vortrag -
Referent Sterbe-Prozeßbegleiter Raffael Boriés
Salem-Weildorf (go)
Zu ihrem zweiten Vortragsabend hatte die 1996 gegründete "Hospiz-Gruppe Salem" eingeladen. In ihren Begrüßungsworten ging Waltraud Decker kurz auf die Arbeit der Gruppe ein. Für zur Zeit 15 geschulte Helferinnen bedeutet Hospiz-Arbeit das "zugewandte und achtungsvolle Begleiten" von trauernden und schwerkranken Menschen und solchen, die sich in der Endphase ihres Lebens befinden. Für diesen Vortragsabend hat die Hospiz-Gruppe mit Raffael Boriés, Zürich, einen Referenten gewinnen können, der seit über 20 Jahren auf dem Gebiet der "Sterbe-Prozessbegleitung" tätig ist.
Der Referent Raffael Boriés ließ mit seinem Vortrag keinen der Zuhörer unberührt. Waltraud Decker von der Hospizgruppe Salem dankte ihm.
Seinen Vortrag stellte er unter den Titel: "Vergeben und Verzeihen", und das nicht ohne Grund. Denn Boriés hat bei seiner Tätigkeit wiederholt feststellen können, daß sterbende Menschen Mühe hätten, sich "ergebend" in den Sterbeprozess hienein zu begeben, weil sie meinten, noch nicht verziehen zu haben oder sich noch mit einem Mitmenschen in einem fast unlösbaren Vergebungsprozeß befinden. Aber auch der Wunsch, Vergebung zu bekommen, besteht bei vielen Menschen, die sich in einem Wandlungsprozess befinden, wozu auch Sterben gehören kann.

Boriés unterstrich in seinem Vortrag die "erlösende und heilende Wirkung", wenn der Mensch vom Wesen der Vergebung erfahren würde. "Nur durch Vergebung ist bedingungslose Liebe und Einklang mit sich selbst möglich". Die Sehnsucht nach Frieden, in dem Angenommensein und Liebe enthalten sind, werde vielfach durch das Nicht-Vergeben-Können nicht gestillt. Vieles beim Menschen, so Boriés, geschieht aus Unwissenheit. Durch Unwissenheit könne der Mensch nicht verzeihen, schon gar nicht dem anderen. Nicht-Verzeihen-Können mache den Menschen weiterhin verletzlich und krank. Dabei bedeutet Vergeben ein "Sich-Entschuldigen", ja die Befreiung des anderen von einer Schuld. Boriés: "Vergebung ist die größte spirituelle Disziplin, die wir üben können".

Der Vortrag machte manchen Zuhörer nachdenklich, mancher wurde auch aufgewühlt. Dies ergaben jedenfalls die Fragen, die gestellt und von Boriés beantwortet wurden. Und Waltraud Decker beschloß den Abend mit dem Satz: "Du hast keine Ahnung von der außerordentlichen Befreiung und dem tiefen Frieden, die eintreten, wenn Du Dir selber und Deinen Brüdern völlig ohne jedes Urteil begegnest".


Südkurier Nr. 266 vom 17. November 1998
zum Seitenanfang