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Verzeihen und Vergeben im Herbst

Salem(uh) - Zum Thema "Verzeihen" hielt Raffael Boriés am Freitag ein Referat. Eingeladen hatte die Hospiz-Gruppe Salem, die seit 1996 mit der Sozialstation Salem zusammenarbeitet.

Die ehrenamtlichen Mitglieder der Hospizgruppe werden täglich mit Leid und Krankheit konfrontiert, manchmal auch mit dem Tod eines Patienten. Die wenigsten Menschen haben allerdings Erfahrung im Umgang mit sterbenden Menschen.

Nicht so Raffael Boriés. Seit nun schon 20 Jahren steht der gelernte Psychotherapeut* und Lebensberater sterbenden Menschen zur Seite beim Übergang in den Tod. Prozessbegleiter nennt er sich selbst. Nach seinem Verständnis ist der Tod nicht das Ende des Lebens, sondern nur der Übergang in eine andere Lebensform.

Deshalb ist es auch so wichtig, sich selbst durch Vergebung aus diesem Leben zu entlassen, erklärt er den Zuhörern. Wie schwer dies den meisten fällt, weiß er aus seiner Praxis zu berichten.

Viele althergebrachten Dogmen aus Religion und Gesellschaft blockieren seiner Meinung nach diesen notwendigen Vergebungsprozess. So heißt es bei vielen Konfessionen, daß nur Gott einem Menschen vergeben kann, oder man die Vergebung vom Verhalten des anderen abhängig machen soll. Genau hier setzt der Referent an und versucht seinen Zuhörern zu verdeutlichen, daß nur eine bedingungslose Vergebung zur Lösung dieses Konfliktes führen kann. Schließlich befinde sich der Kern des Problems im Inneren und kann auch nur hier geheilt werden. An dieser Stelle zitiert Boriés das Bibelzitat: "Wer vergibt, dem wird vergeben".

So bleibe die Umwelt letztendlich der Spiegel, der den Menschen auf sich selbst zurückwirft. Vielleicht gerade in den Herbst und Wintermonaten, wo uns die Natur die Vergänglichkeit vor Augen führt, sei das ein Thema über das man nachdenken sollte.


Schwäbische Zeitung vom 11. November 1998


* sachlich nicht korrekt, Anm. des Verlages
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