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Transformationen und Marginalien

(ee) In der Galerie Im Ried an der Altwiesenstrasse 202 sind noch bis zum 1. Juni die Bilder zweier eigenwilliger Künstler ausgestellt. Es lohnt sich, die symbolhafte Ausdrucksform von Raffael Boriés und von Ursula Veber auf sich wirken zu lassen, sich anrühren zu lassen von den Farbstellungen und den geometrischen und astrologischen Zeichen, die alle ihre Bedeutung haben, aber auch von den ausdrucksvollen Gesichtern, die in vielen Fällen aus wenigen Kreidestrichen bestehen.

Ursula Veber setzt ihre Eindrücke - ganz wörtlich: das, was ihr Eindruck macht -, ihre Begegnungen mit Menschen aller Art in Gesichter um. Bei einzelnen Bildern spürt man die Leiden eines ganzen Volkes, Hunger, Unterdrückung, Resignation. Ursula Veber hält die Gefühle fest, die in jedem von uns aufsteigen beim Betrachten der Tagesschau, beim Lesen von Kriegsmeldungen und Katastrophenberichten. Aber es sind auch Einzelschicksale, mit denen der Betrachter konfrontiert wird. Vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln lässt die Künstlerin Gesichter, Augen auf sich wirken, erahnt Ausgestossensein, innere Not, Angst. Einige der Gesichter gehören Leuten, deren Geschichte sie kennt, zum Beispiel das eines epileptischen Mädchens, das sie gepflegt hat.

Ursula Veber hat bereits eine längere künstlerische Laufbahn mit verschiedenen Stationen hinter sich. Aufgewachsen ist sie im süddeutschen Raum. Mit 22 Jahren ging sie nach Wien. 1981/82 besuchte sie die Wiener Kunstschule und beteiligte sich in der Folge mit Ölbildern, Stilleben, Landschaften, Interieurs und auch damals schon Menschenbildern an Ausstellungen. Später beschäftigte sie sich mit Collagen. Die in Schwamendingen ausgestellten Bilder sind in Mischtechnik, mit Tinte oder Ölkreide ausgeführt.

Raffael Boriés arbeitet im Hauptberuf als Lebensberater. Als Mensch strahlt er eine eigentümliche Ruhe aus. Seine Bilder deuten an, dass er sich oder die Menschheit allgemein als Teilchen im Universum empfindet. Es gibt unendliche blaue Weiten mit strahlenden Himmelskörpern, symbolhaften Zeichen, die für astrologisch Interessierte ihre ganz bestimmte bedeutung haben. Aber auch Eindrücke von seinen Reisen nach Indien, Ägypten, Nepal werden dem Betrachter zugänglich gemacht. Das Dreieck, die Pyramide taucht immer wieder auf, darin eingeschlossen der meditierende asiatische Mensch mit den offenen Händen. Das bedeutungsvolle Farbenspektrum wird dargestellt, gleichzeitig kommt das Symbol der Schlange oder des Kreises zum Zuge. Es sind auch Bleistiftzeichnungen ausgestellt, eine Art Tagebuchnotizen, Reiseeindrücke, die Raffael Boriés während kurzen Ruhepausen in fremden Landstrichen hingeworfen hat. Er sagt von sich, er sei überall und nirgend zuhause. immerhin hat der gebürtige Deutsche seit einiger Zeit eine Adresse in Zürich.

Die Galeristin Elisabeth Gersbach freut sich über Besucher, jeweils am Donnerstag und Freitag von 15 bis 20 Uhr und am Samstag von 12 bis 16 Uhr. Wer den Künstlern begegnen möchte, besucht den Galrie-Apéro am 18. Mai oder die Finissage am 1. Juni, jeweils zwischen 11 und 16 Uhr.


Die Vorstadt Nr. 42, 23.5.1991
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