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Philip Glass
Musik: Philip Glass

Angesichts der beachtlichen Popularität von Philip Glass hierzulande erstaunt es, dass sich nicht schon früher ein deutscher Verleger dieses 1987 in den USA erschienen Buchs annahm. Ansprechend gestaltet und mit zahlreichen Szenenfotos und Notenbeispielen illustriert ist die Ausgabe, die der kleine Berliner Sargos-Verlag nun herausgebracht hat. Weniger gut ist es um die Qualität der Übersetzung bestellt. Der deutsche Text holpert mechanisch am amerikanischen Original entlang, und schlimm wird es, wenn es ans Musikalisch-Technische geht: Da wird aus einer "harmonic root progression" (Grundtonfortschreitung) sklavisch eine "harmonische Wurzel-Bewegung"*, und "relative minor" (Moll-Parallele) wird getreulich als "relatives Moll"** übertragen.

Aber worum geht es überhaupt in dieser Komponisten-Selbstdarstellung? Ausführlich schildert Glass den Entscheidungsvorgang seiner drei Erfolgsopern Einstein on the Beach, Satyagraha und Echnaton, erläutert die Elemente der kompositorischen Struktur, berichtet von Zusammenarbeit mit den Regisseuren, den mannigfachen Problemen der praktischen Umsetzung seiner Vorgaben. All das wird recht nüchtern erzählt, und es bleibt der Eindruck, Glass sei weniger ein Visionär des Musiktheaters als ein gewiefter Pragmatiker. Bemerkenswert das Einleitungskapitel des Buches, in dem Glass die Genese seines reduktiven Stils, seine "Lehrzeit" in Paris und Soho beschreibt: Wie es dem Minimal-Populisten gelingt, sich hier selbst als alleiniger Erfinder eines neuen Idioms zu positionieren, ohne wenigstens die Namen LaMonte Young, Terry Riley oder Steve Reich auch nur einmal zu erwähnen, das ist schon ein Virtuosenstück der Musikgeschichts(um)schreibung.

Peter Niklas Wilson


Neue Zeitschrift für Musik 01/2000


* Im Original heißt es root-movement harmony und ist zusätzlich in Anführungszeichen gesetzt, so daß davon ausgegangen werden konnte, daß Glass nicht den musikwissenschaftlichen Ausdruck Grundtonfortschreitung verwenden wollte, sondern etwas besonderes in seiner eigenwilligen Sprache zum Ausdruck bringen wollte, was der Verlag durch die - auch in Anführungszeichen gesetzte - Übersetzung harmonische Wurzel-Bewegung auch dem deutschen Leser nicht vorenthalten wollte. (Anm. des Verlages)

** Im Original ist relative minor ausdrücklich in Anführungszeichen gesetzt, so daß auch hier davon auszugehen war, daß Glass nicht den direkten musikwissenschaftlichen Ausdruck Moll-Parallele benutzen wollte. (Anm. des Verlages)

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