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Dreiklang
Philip Glass erläutert sich selbst
"Nicht in einer Million Jahren wäre es mir eingefallen, daß ich eines Tages selbst Opern schreiben würde, geschweige denn, daß ich als Erwachsener den größten Teil meines Arbeitslebens im Theater verbringen würde. Und so kam es, daß ich plötzlich im Alter von 39 Jahren mit <Einstein on the Beach> tatsächlich im Theater arbeitete."

Philip Glass benutzte das Wort Oper nicht nur als Avantgardestudent in Paris mit Abneigung, er tut das noch heute. Oper, das waren die repräsentativen Schinken, die er in seiner Jugend von der Stehgalerie der alten Met aus gehört hatte, aber damit wollte er nie etwas zu tun haben. Er kam zum Musiktheater erst, nachdem er Robert Wilson getroffen hatte und sie gemeinsam "Einstein on the Beach" auskochten. Und damit gelangten sie dann im Rahmen des "Next Wave Festivals" der Brooklyn Academy of Music auch in die neue Met.

Drei große Opern schrieb Philip Glass in rascher Folge, und die Trilogie wurde zum Muster auch vieler anderer Werkgruppen - die Gandhi-Oper "Satyagraha" (uraufgeführt 1980 in Rotterdam) und "Echnaton" (1984 zuerst in Houston) bilden mit "Einstein on the Beach" (1976 in Avignon produziert) denn auch das Herz des Buches, in dem Philip Glass selbst die Geschichte der Entstehung schildert und dann die Opern in Bild und Text übersichtlich dokumentiert.

Zweifellos war das die innovativste Periode im Komponistenleben des Philip Glass. Nach langen Jahren der Vorbereitung konnte er hier mit Wilson eine neue Ästhetik des Musiktheaters entwickeln, die zwar auf amerikanischen Vorbildern aufbaute, aber dennoch etwas Neues war und mit dem Etikett "Minimalismus" versehen wurde. Glass schildert in den ersten Abschnitten sehr anschaulich, wie er dahin gelangte, welche Umwege er gehen mußte und wie er die Musik des 20. Jahrhunderts erlebt und für sich eingeordnet hat. Zwölftonmusik war für ihn nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch Mode, und so entschied er sich für Dreiklangsmusik. Daß er die technischen Grundlagen, ohne die er seine Musik nicht zustandebrächte, bei Nadia Bonlanger erworben hat, leugnet er deshalb keineswegs, im Gegenteil bringt er ihr eine Huldigung.

Philip Glass hat damit ganz nebenbei auch ein Panorama der New Yorker Theaterszene seiner Generation geschrieben, eine unentbehrliche Quelle für jeden, der wissen will, woher diese Musik kommt auch wenn er inzwischen das Interesse daran verloren haben sollte, wohin sie geht.

Bernd Feuchtner


Opernwelt April 1999
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