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PHILIP GLASS MUSIK: PHILIP GLASS
Obwohl Philip Glass im letzten Jahr bereits seinen 60. Geburtstag feiern konnte, hält sein Schaffensdrang unvermindert an, denn nach wie vor arbeitet er an mehreren Projekten gleichzeitig. Soweit bekannt, handelt es sich dabei zur Zeit vor allem um Fortsetzungen erfolgreicher Gemeinschaftsprojekte. In Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin Doris Lessing ist eine weitere Oper im Entstehen, mit Godfrey Reggio ein neuer Film in Arbeit, und schließlich soll auch noch ein weiteres Werk von David Bowie und Brian Eno zu symphonischen Ehren gelangen. Philip Glass scheint eine Vorliebe für Dreierserien zu haben, denn bei allen genannten neuen Projekten handelt es sich um die jeweils dritte gemeinsame Arbeit. Darüber hinaus hat er sich in den letzten Jahren sehr eingehend mit dem Schaffen von Jean Cocteau auseinandergesetzt, was ebenfalls in drei großen Werken, zwei Opern und einem Ballett, seinen Ausdruck gefunden hat. Seine erste und bisher auch aufsehenerregendste Serie war die der Porträt-Opern über Einstein, Echnaton und Gandhi.

Mit diesen Opern hat Philip Glass auch seinen Ruhm begründet und ihnen ist in der Hauptsache auch dieses von ihm selbst geschriebene Buch gewidmet, dessen englischsprachige Originalausgabe bereits 1987 erschienen ist. Warum bis zur deutschsprachigen Ausgabe mehr als zehn Jahre vergehen mußten, ist nicht ganz verständlich, hat doch gerade diese Porträt-Operntrilogie durch ihre immens erfolgreichen Aufführungen nicht zuletzt in Stuttgart für großes Aufsehen im deutschsprachigen Raum gesorgt. Hinzu kam Mitte der 80er Jahre noch ein weiterer völlig unerwarteter Erfolg, denn der in Zusammenarbeit mit Godfrey Reggio entstandene Film "Koyaanisqatsi", eine Montage von Bildern und Musik ohne ein gesprochenes Wort über den Mißbrauch der Erde durch die moderne Zivilisation hat sich zu einem großen Publikumsrenner entwickelt und in der Folge das Interesse am Komponisten Philip Glass auch bei Hörern fernab der klassischen Musik geweckt. Somit wäre sicher auch schon zum Veröffentlichungszeitpunkt der Originalausgabe ein großes Interesse an einer deutschsprachigen Übersetzung vorhanden gewesen.

Ihr spätes Erscheinen ermöglicht jetzt nicht nur die Wiederbegegnung mit diesen drei Porträtopern und ihren ersten Aufführungen, sondern auch aus erster Hand nähere Einsichten in deren Entstehungsgeschichten. Philip Glass ist ein sehr genauer, dabei aber immer interessanter Erzähler. Er schildert die Arbeit an jeder Oper, beginnend mit einer eingehenden Begründung des gewählten Themas, seiner ersten Ideen dazu, schreibt über die anschließend aufgenommene Suche nach geeigneten Mitarbeitern, und im besonderen über seine Kompositionstätigkeit. Auch fehlen die Beschreibungen der immer sehr langwierigen und schwierigen Probenphasen nicht, ebensowenig wie seine Gedanken zu den fertigen Inszenierungen, und natürlich geht es auch um die ständig vorhandenen Finanzierungsprobleme.

Das Kapitel "Eine Art Lehrzeit" steht am Anfang des Buches, und hier erzählt der Komponist ebenso von seiner Zeit an der Juilliard School in New York, wie der Zusammenarbeit mit dem indischen Sitarspieler Ravi Shankar und der Gründung seines eigenen Ensembles, da sonst niemand seine Musik spielen wollte.

Philip Glass schreibt inzwischen an einem weiteren Buch, dieses wird als Schwerpunktthema seine Cocteau-Trilogie behandeln, die deutschsprachige Ausgabe soll laut Verlagsankündigung diesmal nicht so lange auf sich warten lassen.

K. F. Schulter


Das Opernglass 4/99
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